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Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Allgemeines/Sonstiges | Mitteilung vom Mi. 07.02.18 , gültig bis Mi. 14.02.18

Pfinztaler Seniorenakademie: „Blinder Glaube für das Recht war sein Verhängnis“

Einblicke in die Biografie und Briefwechsel Ludwig Marums bei der Seniorenakademie

Er war begeisterter Rechtsanwalt, engagierter Kommunal- und Landespolitiker als Justizminister und Fraktionsvorsitzender, Sozialdemokrat mit festen Prinzipien, unbeugsamer Verfechter der Demokratie der Weimarer Republik, schließlich Widerstandskämpfer, Gefangener und Opfer des Naziregimes und Jude, ein Mensch mit Charaktereigenschaften wie Treue, Verlässlichkeit, Mut und Unbeugsamkeit: Ludwig Marum. Die Gemeinde Pfinztal hat vielfachen Bezug zur Person Ludwig Marum; die Benennung ihres Gymnasiums mit seinem Namen gilt als festes Zeichen für die Wertschätzung des Karlsruhers und gegen die Vergessenskultur. Ein Arbeitskreis, ein besonderer Raum mit Dokumenten, Besuche von Nachfahren und jährliche Preisvergaben der Stiftung sprechen für Nachhaltigkeit im Gedenken. Ein weiterer Mosaikstein wurde am geschichtsträchtigen 30. Januar, bei der Seniorenakademie hinzugefügt. Marum-Enkelin Andrée Fischer-Marum gab Einblicke in die Biografie Ludwig Marums und seiner Familie und besonders zum Briefwechsel Marums mit seiner Frau Johanna während seines letzten Lebensjahres, das er von März 1933 bis Mai 1934 zunächst im Gefängnis in Karlsruhe und dann im Konzentrationslager Kislau zubringen musste. Die Enkelin verwies einleitend auf die Herkunft der Eheleute Marum (1882 bzw. 1886 geboren) mit Geburtsorten in der Pfalz, jeweils mit jüdischem Hintergrund. Beide traten im Jahr der Hochzeit, 1910, aus der jüdischen Gemeinde aus und schlossen sich einer Freireligiösen Gemeinde an. Sie waren von gemeinsamer politischer Gesinnung geprägt. Wenige Tage nach Ludwigs Wahl in den Reichstag wurde er am 10.03.1933 verhaftet, zweieinhalb Monate im Gefängnis Riefstahlstraße festgehalten. Hier erhielt er 60 Briefe von Johanna, anfänglich auch noch Besuch. Der Briefwechsel ist geprägt von tiefer, rührender Liebe der Ehepartner und zu den Kindern, zwei Töchter und Sohn Hans, dem Vater der Referentin. Lange zeichnet die Korrespondenz Hoffnung aus. Johanna schreibt am 02.04.1933: „Wir haben Dich lieber als je! Wir sind stolz auf Dich, dass Du so tapfer bist; Deine Kraft und Dein Selbstvertrauen geben uns die Hoffnung, dass wir nicht untergehen werden. Aber – ich gehe auch mit Dir unter, wenn es sein muss“. Ludwig bekennt mehrfach: „Die Freiheit können sie mir nehmen, nicht Würde und Stolz“. Als Familie und Freunde eine Flucht Ludwigs möglich machen könnten, lehnt dieser es kategorisch ab. „Ich gehe freiwillig nicht außer Lande; ich habe nichts Unrechtes getan“. Nach seiner erniedrigenden Überführung nach Kislau am 16.05.1933 geht der Briefwechsel weiter; Johannas Briefe sind jedoch nicht mehr vorhanden, bedauert die 77-jährige Enkelin. Ludwig blieb hart im Ausharren; „ich kann die Kameraden nicht im Stich lassen. Deutschland ist meine Heimat“. Er hoffte, irgendwann wenigstens seinen Beruf als Anwalt wieder ausüben zu können. Der letzte Brief entstand zum Tag der silbernen Hochzeit am 07.05.34. Drei Wochen später wurde er ermordet. Die Nazis stellten es als Suizid dar, der jedoch widerlegt werden konnte. „Der blinde Glaube für das Recht wurde ihm zum Verhängnis“ stellt Andrée Fischer-Marum heute mit Trauer fest.

Text und Foto: Karl-Heinz Wenz





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