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Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Allgemeines/Sonstiges | Mitteilung vom Mi. 05.12.18 , gültig bis Mi. 12.12.18

Dr. Britta Rabold: „Von den Römern zu den Merowingern – Archäologische Ausgrabungen in Söllingen“

Früheste Spuren menschlichen Lebens im Pfinztal gibt es schon aus dem jüngeren Teil der Altsteinzeit in Berghausen, die um 15 000 v. Chr. stammen und es wird davon ausgegangen, dass bereits vor 17 000 Jahren Menschen hier lebten.

Bevor mit den Erschließungsarbeiten im Neubaugebiet „Heilbrunn/Engelfeld“ begonnen werden konnte, nahm das Landesdenkmalamt diesen Bereich in Augenschein, denn es war bekannt, dass hier römische Funde zu erwarten sind.

Bei den Ausgrabungen stießen die Fachleute des Landesdenkamtes auf einen Graben, der eine menschliche Besiedelung des Geländes schon in der Jungsteinzeit vermuten lässt. Das Pfinztal war schon in römischer Zeit beliebt und dicht besiedelt (ca. 70 bis 260 n. Chr.) und so mussten die Mitarbeiter-/innen des Landesdenkmalamtes nicht lange suchen; sie stießen auf die Überreste einer prachtvollen römischen Villa, deren Ausmaße überraschten. Mehrere Umbau- und Erweiterungsphasen konnten nachgewiesen werden und das Mauerwerk war teilweise noch gut erkennbar. Dr. Rabold dokumentierte anhand einer Power-Point-Präsentation, dass schon die Römer mit der starken Geländeerosion des Lößbodens zu kämpfen hatten und dass sie das Mauerwerk der Gebäude des großen Gutshofes entsprechend verstärkten. Nördlich und nordwestlich der römischen Villa zeigten sich ausgedehnte Steinrollierungen mit grabenartiger Unterbrechung. Vermutlich handelte es sich um den Unterbau einer Straße, die das Anwesen mit dem Pfinztal verband.

Verblüfft waren die Experten über das entdeckte große Gräberfeld aus der Merowingerzeit (6./7. Jahrhundert n. Chr.) mit über 100 Gräbern sowie zwei Hügelgräbern. Dr. Rabold berichtete, dass das Gräberfeld auf der Anhöhe lag, mit Blick nach Osten und es vermutlich zum ursprünglichen Dorfkern einer Siedlung vor über 1 500 Jahren gehörte. Bedauerlicherweise fiel dieses Gräberfeld bereits in antiker Zeit Grabräubern zum Opfer. Bemerkenswerte Funde wurden nur noch in einem frühmittelalterlichem Mädchengrab mit Grabbeigaben wie Keramikgefäßen, Beinkamm, Kaurischnecke und Zierscheibe mit Christogramm, das Gürtelgehänge in einem Frauengrab sowie Sparta und Schwert in einem Männergrab entdeckt. Die Doppelbestattungen (Mann/Frau und Mutter/Kind) und die stattgefundenen Sonderbestattungen am Rande des Gräberfeldes (in einem Grab wurden bei dem Toten die Füße verhakt) waren erstaunlich. Anhand der Funde konnte auch in Söllingen belegt werden, dass sich die Begräbniskultur im Laufe der Jahrhunderte veränderte. Die Toten wurden zwar immer noch in ihrer Festtagskleidung, die Frauen mit Schmuck und die Männer mit Schwert und Sparta bestattet, jedoch wurden ab dem 8. Jahrhundert n. Chr. keine Gefäße mit Essen und Trinken mehr den Holzkammer- bzw. Steinkistengräbern mehr beigegeben.

Die Ausgrabungsarbeiten sind nun abgeschlossen, hier kann jetzt eine moderne Siedlung entstehen - auf den Resten der Ansiedlungen der Römer- und Merowinger.

Die von den Gästen gestellten Fragen an Dr. Rabold wurden ausführlich beantwortet.

Hans Weiß bedankte sich in herzlichen Worten namens der Gemeinde Pfinztal und des Heimatvereins Pfinztal bei Frau Dr. Rabold für den überaus informativen und wissenswerten Vortrag.





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