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Aus dem Mitteilungsblatt


Kategorie: Allgemeines/Sonstiges | Mitteilung vom Mi. 06.02.19 , gültig bis Mi. 13.02.19

Rosswag-Klöppel geben jetzt auch in Berghausen den Ton an

Klöppel für vier Glocken der Martinskirche geschmiedet
 
Auftraggeber der Firma Edelstahl Rosswag in Kleinsteinbach müssen nicht nur weltbekannte Dome, Münster, Basiliken oder Kathedralen in Erfurt, Dresden, Freiburg, Köln, Wien, Bukarest oder auf Malta sein, um nur einige zu nennen, manchmal kann sich der Klöppelspezialist auch für Kirchen in der näheren Heimat nützlich machen. So erlebt vergangenen Samstag im Familienunternehmen. Auf dem Plan stand das Schmieden von Klöppeln für vier Glocken der evangelischen Martinskirche Pfinztal-Berghausen. Zahlreiche Zuschauer aus der Kirchengemeinde mit Pfarrerin Nicola Enke-Kupffer an der Spitze sowie einige andere Gäste aus Wirtschaft, Politik und gesellschaftlichem Leben wohnten im Betrieb am Ortsrand von Kleinsteinbach der Schmiedeaktion bei.
Vor dem Arbeitsbeginn informierte Geschäftsführer Alexander Essig über die besondere Aufgabenstellung. Zur Vorgeschichte: Die alten Glocken der Berghausener Kirche waren während des Zweiten Weltkrieges eingeschmolzen worden. Im Jahr 1950 wurden sie durch drei neue ersetzt, die zum Gedenken an die Gefallenen des Krieges geweiht und durch eine Sammelaktion mehrerer Ortsvereine finanziert worden waren. Bei der Weihe war auch die heute 83-jährige Margarete Geiger dabei. Die Glocken waren dieser und ihrer inzwischen verstorbenen Schwester Ilse so wichtig, dass sie mit dem Erbe der Schwester und eigenem Beitrag eine noch fehlende vierte Glocke zur Klangerweiterung und -abrundung spenden wollte. Und Margaretes Wunsch: Dies sollte nicht nach ihrem Tod geschehen; sie will das Glockenensemble noch selbst zu Lebzeiten erklingen hören. Seit Oktober 2018 ist die neue Glocke in der Kirche zu besichtigen, nun erhält sie auch einen Klöppel, wie auch ihre drei Glockenschwestern neue erhalten. „Wir sind dankbar“, erklärte Pfarrerin Enke-Kupffer bei der Schmiedeaktion. „Man erlebt eine solche Situation wohl nur einmal im Leben“. Die Glocken seien Boten der Macht Gottes, dessen Segen sie erbat und „Frieden soll damit eingeläutet werden“. Der Glockensachverständige der badischen Landeskirche, Dr. Martin Kares, war in seiner kurzen Ansprache voll des Lobes über die Rosswag-Klöppel. Den Schmiedevorgang erläuterte Firmaexperte Bruno Hosfeld im Detail. Verwendet werde ein patentierter Spezialstahl, der freiformgeschmiedet und faserverlaufsgerecht das Werkstück herstelle. Um das Gefüge zu erhalten, folge nach dem Schmieden eine Wärmebehandlung, dann Komplettbearbeitung mit Fräsen und Drehen und schließlich eine Endprüfung mit Oberflächenrissprüfung und mechanisch-technischer Erprobung. Der Stahl soll auch noch bei hohen Minustemperaturen zäh bleiben. Mit viel Interesse verfolgten die Besucher dann den Schmiedevorgang unter Leitung von Schmiedemeister Christoph Klameth, für die neue Glocke an der kraftstrotzenden Presse und für die etwas kleineren alten am Lufthammer. Wie aus einem gelb-rot glühenden Stahlquader in mehreren Schritten, die mehrfach durch Nacherhitzen in der Wärmekammer unterbrochen wurden, zunächst eine Walzenform und dann langsam die typische Klöppelgestalt entstand, imponierte. So kann nun bald der Wunsch der Kirchengemeinde und besonders von Margarete Geiger in Erfüllung gehen, dass die neuen Klöppel an den vier Glocken der Martinskirche den Ton angeben.

Text: Karl-Heinz Wenz

 





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